Blöde Reaktion auf Bud Spencers Tod

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Blöde Reaktion auf Bud Spencers Tod

Beitragvon Heinrich » Montag 4. Juli 2016, 10:14

Liebe Leute,

vielleicht habt ihr mitbekommen dass die Jugendorganisation der Linke Thüringen (RosaLuxx) auf ihrer Facebookseite schreibt, dass sie nicht um den Tod von Bud Spencer trauern weil er 2005 bei der rechtskonservativen Forza Italia angetreten ist.

Mich nervt diese Aussage weil ich mich selbst politisch klar links einordne aber mit solchen Idioten nix zu tun haben will - und auch nicht glauben kann, dass Bud größere Ideologische Gemeinsamkeiten mit Bunga Bunga Berlusconi hatte oder ein Rechter war.

Auf Deutsch habe ich leider nichts darüber gefunden, warum er für die Forza Italia angetreten ist oder irgendwelche eigenen Aussagen von ihm dazu. Auf Italienisch scheint es da mehr zu geben, aber das versteh ich leider nicht.

Kennt ihr da irgendwelche Artikel dazu oder wisst ihr da mehr?
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Re: Blöde Reaktion auf Bud Spencers Tod

Beitragvon Mike » Montag 4. Juli 2016, 11:48

Zum einen, weil einer was schreibt, gilt es ja nicht für alle.
Wir neigen immer öfter dazu, auf Grund einer Aussage alles über einen Kamm zu scheren.
Sie haben Bullshit erzählt und gut.

Soweit ich weiss, hat Bud es nicht ganz freiwillig getan und bereute es auch danach, diesen Schritt gegangen zu sein, da er eben nicht die gleiche Meinung vertrat.

Wir wissen am besten, wie Bud war, also wird er auch so bei uns in Erinnerung bleiben.
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Re: Blöde Reaktion auf Bud Spencers Tod

Beitragvon CharlieFirpo » Montag 4. Juli 2016, 14:33

Dass Bud keine rechte Gesinnung hatte, weiß ja nun wirklich jeder, der sich auch nur etwas mit ihm beschäftigt. Diese Jugendorganisation weiß einfach nicht was sie da schreibt oder sie will mit ihrem provokanten Statement aus Buds Tod Aufmerksamkeit erhaschen. In beiden Fällen ist das ein absolutes Armutszeugnis!

Mit der Parteienlandschaft in Italien kenne ich mich nicht sonderlich gut aus, aber die "Forza Italia" war ja keine rechte Partei wie es hierzulande NPD, DVU oder auch die AfD sind. In Sachen konservativ und populistisch würde ich sie gefühlsmäßig eher auf eine Stufe mit Seehofers CSU stellen (Hallo Hilary ;-) ).

Wir können in der Frage nach Buds politischen Ansichten und wie er zu der Kandidatur kam aber auch einfach Bud selbst zu Wort kommen lassen, denn Thema war das damals sehr wohl auch in den deutschen Medien. Starten wir also eine kleine Presseschau mit Interviews aus den Jahren 2003 bis 2008.

Über Berlusconis Regierung sagte Bud 2003 in einem Interview der "Weltwoche":
Bud: Nehmen Sie Italien. Ich weiss nicht, ob wir heute, mit Silvio Berlusconi an der Regierung, besser oder schlechter fahren als vor drei Jahren, als die Linke an der Macht war. Ich denke nicht in solchen Kategorien. Ich bin ein Demokrat der Mitte. Ich passe mich an.

Sie passen sich an?

Bud: Die demokratischen Spielregeln gebieten es mir. Ich warte, bis die nächsten Wahlen anstehen, dann ziehe ich Bilanz. Haben die Leute an der Regierung gut gearbeitet, gebe ich ihnen mein Vertrauen, haben sie schlecht gearbeitet, wähle ich andere. Ich entscheide aufgrund von Resultaten, nicht aufgrund von Parteiprogrammen.


Auch Sandra Maischberger befragte Bud 2004 nach seiner politischen Einstellung und auch nach Berlusconi:

Wie fein ist die Linie zwischen dem kleinen italienischen Chaos oder das jeder für sich lebt und dem was man in der Politik dann sieht und Korruption nennt? Also wie schnell geht dieser Unterschied verloren? Ist die italienische Lebensweise anfälliger für Korruption in der Politik?

Bud: Es gibt einen Teil Italiens der Deutschland gleicht, der Norden von Turin bis nach Venedig. Unterhalb von Bologna dagegen endet das Italien von dem ich gerade spreche. Ich kenne Italien gut genug. Ich bin was die Politik angeht ein Demokrat. Von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken gibt es Menschen die diese gewählt haben und ich akzeptiere die demokratische Wahl.

Sie sind einer der wenigen, der in diesem Studio sitzt und der Silvio Berlusconi persönlich kennt, weil sie mit ihm zich Filme gemacht haben, als er noch nicht Politiker war, sondern TV-Unternehmer. Beschreiben sie mir diesen Mann. Was treibt ihn, was ist das für ein Typ?

Bud: Ich glaube es ist ein außergewöhnlicher Mensch. Als Unternehmer hat er wirklich Unglaubliches geleistet. Meiner Meinung nach stellt er heute etwas sehr viel größeres da, als es früher denkbar war. Als Ministerpräsident, wenn ich als Bud Spencer Berlusconi beurteilen sollte, dann wäre das vermessen. Er war sehr wichtig im Bereich Kino und im Bereich Politik ist er ebenso wichtig. Schauen wir mal, was dabei herauskommt.

Sie sagen, sie können ihn nicht beurteilen. Ich habe das Gefühl, sie wollen ihn nicht beurteilen. Weil, sie sind ja nicht unpolitisch und sie sind ein intelligenter und studierter Mann. Sie können durchaus ihre Meinung habe über Silvio Berlusconi. Ich habe das Gefühl, sie wollen sie nicht äußern. Als Politiker.

Bud: Nein, das stimmt nicht. Da ist nur ein ganz wichtiger Faktor zu berücksichtigen. Ich beurteile nie einen Menschen, wenn ich ihn nicht seit vielen Jahren kenne, wenn ich nicht seit vielen Jahren Freund bin. Ich habe eine Arbeitsbeziehung mit ihm gehabt. Seit er Politiker ist, habe ich keinen Umgang mehr mit ihm. Wie soll ich also einen Menschen beurteilen, den ich nicht kenne? (Einwurf von Frau Maischberger, dass man sich ja ein Bild anhand der Medien machen könnte) Nun, sie beurteilen also die Menschen nach den Medien. Na, dann haben sie es ja fein getroffen. Ich traue mir das nicht zu.

Also alle die, die sagen Silvio Berlusconi ging in die Politik, weil er ansonsten ins Gefängnis gegangen wäre, haben alle nicht Recht, oder?

Bud: Also das glaube ich nun wirklich nicht. Nein, also dem stimme ich nicht zu. Ich nehme mal an, er hätte ja ebenso gut auch aus Italien weggehen können. Er ist in Italien geblieben, weil er Italien liebt.

Bei all den vielen Dingen, die sie gemacht haben und bei der Neugierde, die sie in ihren Leben als Antrieb immer offensichtlich haben. Hat es sie nie gereizt irgendwas Politisches zu machen, Bürgermeister zu werden oder vielleicht ein Kandidat einer Partei zu sein? Etwas zu repräsentieren?

Bud: Nein, niemals, denn die Politik braucht Kompromisse und ich mache nie im Leben Kompromisse.


Interessant auch die letzte Frage, bei der Bud klar äußert, dass er keinerlei politische Ambitionen hat. Gleiches sagte im gleiche Jahr noch etwas deutlicher auch dem deutschen Magazin NEON:

Sie haben ja fast alle Berufe durch. Warum versuchen Sie es nicht noch als Politiker?

B.S.: Politik ist etwas Scheußliches. Immerzu muss man Kompromisse schließen. Als junger Mann habe ich an den Kommunismus geglaubt – bis ich1952 mit meiner Schwimmmannschaft ins stalinistische Moskau geflogen bin. Ich dachte, mich würde das Paradies erwarten. Stattdessen fehlten gleich im Flugzeug die Fenster. Ich wurde von Soldaten bewacht, durfte nur ins Hotel und zur Schwimmhalle. Die haben mir verboten, mit den Menschen auf der Straße zu sprechen. Nach der Moskaureise war’s für mich vorbei mit dem Kommunismus. Ich respektiere alle Politiker, denen Menschen ihre Stimmen gegeben haben. Aber zumindest hier in Italien geht’s ihnen nur darum, ihre Posten zu behalten. Wir sind ein schrecklich uneiniges Volk. Ich wäre nicht stark genug, daran etwas zu ändern.


2005 kandidierte Bud dann bei einer Regionalwahl bekanntlich dennoch. In der österreichischen Zeitschrift "Datum" wurde er 2006 danach gefragt und da sagt er, dass er dass nicht aus eigenen Antrieb getan hat:

Sie haben letztes Jahr bei den Regionalwahlen im Latium für Silvio Berlusconis Partei Forza Italia kandidiert. Warum?

B.S.: Ich möchte eigentlich nicht mehr über Politik sprechen, das ist für mich endgültig vorbei. Ich bin zwar durchaus noch interessiert an Politik. Nur befinden wir uns gerade in einer sehr schwierigen politischen Situation, in der ich für niemanden Partei ergreifen möchte.

Ist eine Kandidatur für die Forza kein klares politisches Statement?

B.S.: Ich hatte mich nicht aus eigenem Antrieb dazu entschlossen. Die Wahrheit ist, dass ich einige Filme für Premierminister Silvio Berlusconi gemacht habe. Er hat mich dann darum gebeten, irgendetwas für seine Partei zu tun. Da habe ich zugesagt, und das war’s. Über solche Dinge möchte ich nicht mehr sprechen oder nachdenken. Ich habe alle möglichen Freunde, Linke und Rechte, Homosexuelle, alle möglichen Menschen. Es spielt keine Rolle, was sie politisch machen.


Zwei Jahre später, also 2008 befragte ihn auch Tele 5 in einem Interview noch einmal und hakte sogar bezüglich seiner früheren Aussage, dass er keine Politik machen wollte nach:
In einem Interview haben Sie erzählt, dass Sie nicht stark genug wären, um als Politiker etwas zu ändern. Trotzdem traten Sie im April 2005 als Kandidat für die Forza Italia bei italienischen Regionalwahlen für ein Regierungsamt an. Warum dieser Sinneswechsel?

B.B.: Ich interessiere mich zwar für Politik, habe mich beruflich aber nie damit beschäftigt. Der Kontakt zur Forza Italia kam fast durch einen Zufall zustande, weil ich Präsident Silvio Berlusconi als Mensch gut kenne und wir zusammen über zwanzig Filme gemacht haben. Es war also ein Freundschaftsdienst.

Sie wurden nicht gewählt. Für Sie, der alles erreicht hat, muss die politische Niederlage auch eine persönliche Enttäuschung gewesen sein, oder?

B.S.: Dass ich nicht gewählt wurde, lag daran, dass ich einen Unfall hatte und deshalb auch keine Wahlkampagne machen konnte.


Wer daraus nun ableitet wegen dieser Kandidatur nicht um Bud Spencer trauern zu wollen, dessen Oberstübchen ist in meinen Augen einfach nur schlecht möbliert. Und mit ihren bescheuerten Statement diskreditieren sich gleich nebenbei auch noch Bud Spencers Namen und Andenken, da es leider immer wieder Leute gibt, die das dann auch noch glauben. Das ist eine ganz miese Nummer der Thüringer Linken, anders kann man es nicht nennen!
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Re: Blöde Reaktion auf Bud Spencers Tod

Beitragvon Heinrich » Montag 4. Juli 2016, 15:11

Grazie!
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Re: Blöde Reaktion auf Bud Spencers Tod

Beitragvon jackbeauregard0 » Montag 4. Juli 2016, 19:08

Krank, jemanden nur aufgrund einer anderen politischen Einstellung so sehr zu hassen, dass man nicht um ihn trauert.

Selbst wenn einem andere Menschen zunehmend unsympatischer werden, wenn sie ihre polit. Meinung kundtun, muss man ganz schön herzlos sein, um das öffentlich zu posten.
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Re: Blöde Reaktion auf Bud Spencers Tod

Beitragvon Hawkeye » Dienstag 5. Juli 2016, 09:14

Jugendorganisationen politischer Parteien tendieren dazu extreme Meinungen zu vertreten. Das trifft auf Solid zu, wie auch auf Jusos, Grüne Jugend oder auch die Junge Union. Mit Sachargumenten kommt man bei den Herrschaften leider nicht besonders weit.
Alle Rechtschreibfehler die in diesem Post enthalten sind, sind Absicht und bedürfen keiner weiteren Rechtfertigung, Bemerkung oder Richtigstellung. Falls ihr doch was zu beklagen habt, steckt es euch in den Allerwertesten.
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Re: Blöde Reaktion auf Bud Spencers Tod

Beitragvon Spaghetti-Tiger » Dienstag 5. Juli 2016, 12:03

@ CharlieFirpo: Kompliment für deine Recherche!

CharlieFirpo hat geschrieben:B.S.: Ich hatte mich nicht aus eigenem Antrieb dazu entschlossen. Die Wahrheit ist, dass ich einige Filme für Premierminister Silvio Berlusconi gemacht habe. Er hat mich dann darum gebeten, irgendetwas für seine Partei zu tun. Da habe ich zugesagt, und das war’s.


Das ist für mich der Schlüsselsatz. Wie man aus Buds Autobiografie weiß, war er ja ein sehr großzügiger und hilfsbereiter Mensch, der anderen auch gerne mal Geld geliehen hat, das er dann später nie wiedersah. In diesem Licht muss man wohl auch sein Engagement für Berlusconi sehen: Bud wollte ihm aus alter Bekanntschaft (Freundschaft will ich nicht sagen) einen Gefallen tun und hat sich von ihm zu etwas überreden lassen, was ihm eigentlich überhaupt nicht lag. Insofern war es gut, dass er nicht gewählt wurde, denn dieser Job hätte ihm garantiert nicht gefallen.
Bud aber wegen dieses aus Gutmütigkeit begangenen Fehltritts zu verdammen, ist schon ziemlich daneben.
Je tiefer einer fällt, desto höher der Zweck.
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Re: Blöde Reaktion auf Bud Spencers Tod

Beitragvon Mike » Mittwoch 6. Juli 2016, 12:08

@Hawkeye

Ja und das sind die zukünftigen Politiker, da weiss man, in welche Richtung es gehen wird.
Dialog? Den Begriff können sie sicherlich bald aus dem Duden streichen.
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Re: Blöde Reaktion auf Bud Spencers Tod

Beitragvon Hawkeye » Freitag 22. Juli 2016, 14:37

@Mike

Mit der Zeit werden die Anhänger solcher Institutionen in der Regel gemäßigter. Mit 30, 35, 40 reden die schon ganz anders als mit 18, 20, 25... ;)
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